Fortsetzung meiner letzten Post:
Der ausgeträumte Traum des Google PageRank


Mit Eintreten in das Web 2.0-Zeitalter hat der Google PageRank seinen (Stellen-)Wert nun weitestgehend verloren, wenn er nicht mittelfristig sogar völlig verschwindet.

Bereits im Sommer 2003 schaltete Google auf das tägliche Update der Google Data Center und die tägliche Punktevergabe für den PageRank um. Auch wenn das Update nur von einem Teil des Indexes täglich erfolgte. Dennoch gab es vor jedem sog. PageRank-"Update" (TBPR) ein großes Wetteifern, welches bald, wenn es auch die Letzten eingesehen haben, ein Ende haben wird.

Eine ganze Gemeinde, die glaubte, dass der Wert einer Website dadurch steigen würde, dass Google die PageRank-Anzeige in der Google Toolbar mit dem PR-Wert aktualisiert, der Tage und Wochen zuvor bereits kontinuierlich vergeben war. - Tage? Dazu später mehr.

Eine Gemeinde, die auch glaubte, den Wert einer Website oder eines Blogs im Jahre 2007 in erster Linie über den PageRank (und die Anzahl(!) der Backlinks) bemessen zu können.

Matt Cutts von Google schrieb bereits im Januar 2007 in seinem Blog:
"As always, don’t expect traffic or rankings to dramatically change, because these PageRank values are already incorporated into our scoring."

...

Erst März 2007 wurde der Blog der deutschen Google Webmaster-Zentrale ins Leben gerufen. Die Webmaster, die in den Wochen zuvor nicht die amerikanischen Geschehnisse verfolgt hatten, gingen leer aus und beschäftigen sich auch heute noch mit PageRank, Linkhandel und dem ausgeträumten Traum, dass der Google PageRank einen wesentlichen Einfluss auf die Positionierung in den Suchergebnissen von Google hat.

Viele bemerkten in den letzten Wochen den Einfluss von Blogs und Social Bookmarking Diensten, allen voran Mister Wong (für D), im Google Index. Nahezu genauso viele wollten es nicht wahrhaben, denn es konnte ja nicht sein.

Social Bookmarks bei Mister Wong führten innerhalb von wenigen Stunden bis einem Tag dazu, dass die gebookmarkten Websites mit den bei Mister Wong hinterlegten Keywords in den Suchergebnissen nach oben kletterten. "Das kann alles nicht sein, da gibts nofollow!", mußte ich mir von mehreren anhören. Gibt es dort nofollow wirklich? Prüfen Sie selbst! Würde es bei Mister Wong nofollow geben, müßten die Googlebots diesen von Google selbst ins Leben gerufenen Tag nicht beachten. Würde es kein nofollow geben,...

Doch neu eingerichtete Unterseiten auf Websites benötigten Tage, um im Google Index zu erscheinen. Eine neu eingereichte sitemap.xml als auch entsprechende Backlinks (von anderen Domains und IPs) für diese Unterseite verkürzten den Prozess nicht mehr.

Am 6. August 2007 um 1:10 Uhr stellte ich erneut eine neu eingerichtete Unterseite auf einer täglich vom Googlebot besuchten Website ein und reichte sofort die aktualisierte sitemap.xml bei den Google Webmaster-Tools ein. In weniger als einer Stunde erschien die neue Unterseite im Google Index, ohne jemals einen Backlink gehabt zu haben. Sicherlich ein Zufallstreffer?

Um sicher zu gehen, erfolgten zunächst weitere Tests, die - mit großem Erstaunen - alle zum nahezu gleichen Ergebnis führten.

Im Vorfeld, vor ca. zwei Monaten, setzte ich bereits einen befreundeten Webmaster über die Geschehnisse in Kenntnis. Er zweifelte zunächst massiv, setzte dann aber alle von mir genannten Strategien ein und traute immer mehr seinen Augen nicht. Für ihn wichtige Keywordkombinationen, die sich auf den Plätzen 300 - 500 befanden und die er einfach nicht optimiert bekam, schossen in die Top 10 der Google Suchergebnisse.

Ich war nie ein Freund von Theorie und las "Matt Cutts: Gadgets, Google, and SEO"-Blog und den Official Google Webmaster Central Blog stets nur oberflächlich. Dennoch war ich mir sicher, einiges von dem gelesen zu haben, was ich nun erfuhr. Nur halt nicht in einem direkten Zusammenhang, sondern so, dass man sich die Puzzleteile hätte selbst zusammensetzen müssen. Die Zeit der Wahrheit war nun gekommen.

Im Nachfolgenden werde ich nicht jedes Datum dokumentieren und jedes Backlinkupdate von Google, lediglich die wesentlichen Merkmale der Veränderung.

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Vorgeschichte
Bis Januar 2007 gab es einen Supplemental Index mit Websites, die keinen oder geringen PageRank und keine oder wenige Backlinks aufwiesen, und einen Main Web Index mit Websites und Blogs mit hohem PageRank und einer großen Anzahl von Backlinks. Reguläre Ergebnisse aus dem Main Web Index wurden oberhalb der ergänzenden Ergebnisse aus dem Supplemental Index gestellt. Eine Website oder ein Blog mit geringem PageRank oder wenigen Backlinks zu betreiben, war aussichtslos. Und gerade dieser Bereich des Internets ist wesentlich interessanter für das Web 2.0 als alle anderen Bereiche.

Es geht sich um die Aktualität einer Suchmaschine. Was nützt es Suchergebnisse von erfolgreichen Websites oder Blogs auf den ersten Plätzen zu präsentieren, wenn diese Tage oder gar Wochen alt sind? Google hatte sich bereits Ende der 90er Jahre vor alle andere Suchmaschinen gesetzt, da Google damals die einzige mit aktuelleren Suchergebnissen war. Und die Zukunft des Webs (Gegenwart?) liegt darin, aktuelle Suchergebnisse anzuzeigen. Und alles, was jetzt im Internet veröffentlich wird, ist aktuell. Und alles, was gestern im Internet veröffentlicht wurde, ist nicht mehr so aktuell.

Alles begann mit dem Post von Matt Cutts am 10. Januar 2007.

"If you used to have pages in our main web index and now they’re in the supplemental results,..." war die erste Ankündigung einer wesentlichen Veränderung. Eine Verschiebung von Suchergebnissen in den Supplemental Index, der sich später als neues Instrument für das Web 2.0 herausstellen wird.

"... a good hypothesis is that we might not be counting links to your pages with the same weight as we have in the past." Es war nicht nur eine Aussage, sondern eher eine Warnung.

Die erste große Umstellung des Google Algorithmus sollte folgen. Aber Matt gab uns noch eine weitere wichtige Information:

“The approach I’d recommend in that case is to use solid white-hat SEO to get high-quality links (e.g. editorially given by other sites on the basis of merit).”

Am 25. Januar 2007 gab es dann ein unwichtiges TBPR und ein umso wichtigeres Google Algorithmus-Update, worauf Matt Cutts unmittelbar postete, um uns weitere wesentliche Neuerungen zu verkünden. In diesem Artikel ging es sich eigentlich um den Einfluss von Google Bomben (Linkbomben). Daher interessierte er mich nicht sonderlich, bis ich ihn nun erneut las:

"Now we will typically return commentary, discussions, and articles where people attempt to cause someone else's site to rank for an obscure or meaningless query."

Und nun der Umkehrschluss. Google musste sich dadurch umso mehr mit der inhaltlichen Auswertung von Kommentaren, Foren- und Groups-Diskussionen und (Blog)-Artikeln beschäftigen. Mehr als sich Google jemals mit Website-Content auseinandergesetzt hatte. Der Web 2.0-Content, der aufgrund von zumeist fehlendem PageRank und fehlenden Backlinks fast ausschließlich im Supplemental Index landete, nahm an Gewicht und dadurch Gewichtung im Google Web Index zu.

Immer mehr und mehr fehlte es an Berechtigung, hoch bewertete Websites und Blogs auf die vorderen Plätze in den Suchergebnissen zu stellen. Denn Google wurde schneller und erweiterte sich zudem um neue Server-Standorte.

Zunächst wurden Blogs in nahezu Echtzeit in die Suchergebnisse aufgenommen. Aber nicht für alle Blogs existiert ein Priorisierungsalgorithmus, d. h. bestimmte Blogs werden bevorzugt.

Vor nicht allzulanger Zeit, am 27. April 2007, erfolgte das zweite PageRank-"Update" der Google Toolbar (TBPR) in 2007.

Am 1. Mai 2007 meldete sich Matt Cutts zurück:
"It can also be the case that links that used to carry more weight for a website might not be counting as much."
Ich sage nur: "used to carry".

"As Google changes algorithms over time, excessive reciprocal links will probably carry less weight."

Am 31. Juli 2007 schrieb schließlich Matt Cutts mit Prashanth Koppula im Official Google Webmaster Central Blog einen Artikel über den Supplemental Index, der am 1. August auch in deutscher Sprache über den Google Webmaster-Zentrale Blog veröffentlicht wurde:

"Seit 2006 haben wir unser System, welches die Supplemental Results crawlt und indexiert, vollständig überholt."

"Ebenso arbeiten wir darauf hin zunehmend mehr Supplemental Results anzuzeigen, indem wir sicherstellen, dass jede Anfrage im Supplemental Index durchgeführt werden kann. Wir haben vor, diese Neuerungen im Laufe des Sommers zu implementieren."

"Der Unterschied zwischen dem Hauptindex und dem Supplemental Index wird daher zunehmend geringer. In Anbetracht der bisherigen Fortschritte und im Hinblick auf zukünftige Verbesserungen haben wir uns entschieden, diese URLs zukünftig nicht mehr als "Supplemental Results" zu kennzeichnen."

...

Bereits im Januar 2007 war absehbar, dass die Entwicklungen bei Google so fortschreiten müssten, um aktuellste Suchergebnisse präsentieren zu können. Der Supplemental Index wird aus meiner Sicht den Main Web Index vollständig ablösen, was in diesem Fall das vollständige Ende des Google PageRanks bedeuten könnte. Google Algorithmen wird es immer geben, aber eher nicht mehr verbunden mit dem patentierten PageRank-System.

Nun erscheinen auch Änderungen an Websites, nicht nur an Blogs, in nahezu Echtzeit im Google Index, so wie wir es schon von den Google News gewohnt waren:

"vor 14 min. gefunden"

Noch können die Unterseiten Ihrer Website, die sich im Supplemental Index befinden, abgefragt werden:

site:www.domain.tld&

...

Während andere Suchmaschinen sich noch mit "Web 1.0"-Techniken beschäftigen, hat Google in seinem Siegeszug die Umstellung auf Web 2.0 nicht nur geschafft, sondern arbeitet mit dem kontinuierlichen Ausbau der Serverstandorte in nahezu "Lichtgeschwindigkeit" am kommenden Web 3.0, in dem "verzögerungsfreie" Real-Time-Suchergebnisse in Google erscheinen werden. Zumindest darf aus heutiger Sicht die Vorstellung erlaubt sein.

Ein paar Web 2.0 SEO-Tipps werde ich in der nächsten Zeit mit Sicherheit hier veröffentlichen, aber Sie können natürlich auch schon einmal zwischen den Zeilen bei Matt Cutts lesen: Whitehat SEO tips for bloggers, aber das haben Sie ja sicherlich schon längst getan!(?)




5 comments:

Gerd-Egmont said...

Richtig, die Leser von Matt Cutts & Co. sind schon immer im Vorteil gewesen.
Immer noch warten viele auf das August-PR-Update. Vorsichtige Spekulationen gibt es vereinzelt schon, oft aber mehr aus Spass oder aufkommender Unsicherheit. Interessant wären für mich ein paar Tipps, worauf nun zukünftig mehr Augenmerk gelegt werden muss, um vordere Plätze in den SERP's einigermassen konstant belegen zu können. Gerne auch ein individueller Gedankenaustausch;-)

Wulffy said...

Guten Abend!

Schön, dass Sie meinen Blog erneut besuchen!

Es ist mir nicht möglich, von allem hier zu berichten, was ich glaube und meine. Ich denke, mein heutiges Post sollte erst einmal für genügend Aufregung gesorgt haben und sorgen. (Warten wir doch die Suchergebnisse der nächsten Stunden und morgen einmal ab. ;-))

Uns beiden ist bewusst, wieviel Zeit und Arbeit SEO in Anspruch nimmt. Mit den neuen Web 2.0-Strategien benötigt man in etwa den gleichen Zeitaufwand wie zuvor, muss jedoch regelmäßiger aktiv sein als vorher.

Web 2.0-Strategien beziehen sich auf alle Dienste im Web, die mit Blogging und Social Bookmarking zu tun haben. Wobei es unwichtigere und wichtigere gibt.

Suchen Sie doch einfach nach diesem Blog in Google und schauen sich die anderen Suchergebnisse einmal genauer an.

Backlinks, Webkataloge mit PageRank-Anzeige und Artikelverzeichnisse interessieren mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr.

Die Liste der SEO-Tricks, die verwendet wurden, wird länger werden...

Ein individueller Gedankenaustausch ist natürlich und gerne möglich, wobei ich Sie bitte, mir noch einige Tage Zeit zu lassen, da ich in zuvielen Dingen derzeit die Finger im Spiel habe und die Zeit fehlt.

In Kürze wird hier auch eine Kontakt-e-mail erscheinen.

Beste Grüße,
Wulffy

Thomas said...

Hallo Wulffy,

vielen Dank für denen Artikel.
Ich habe ihn mit Interesse gelesen und habe hierzu mal noch ein paar Fragen.

Natürlich gibt es Bereiche, die von Aktualität leben. Dies sind (wie hier) beispielswese Neuigkeiten zum PR.

Was ist aber mit Bereichen, die keine großen Veränderungen erfahren?

Mir fällt dazu gerade als Beispiel "Direktbank" oder die "Geschichte von China im 9. Jahrhundert vor Chr." ein.

Hier gibt es ja wenige Aktualität, wenig neue Informationen.

Würden nun Deiner Meinung nach die ING Bank, Consors, Sparkasse Köln Bonn nach "hinten rutschen", wenn ein Blog täglich/wöchentlich über Direktbanken schreiben würde?

Gruß Thomas

Wulffy said...

Thomas, danke für Deinen Kommentar und diese äußerst interessante Frage, die ich doch direkt im nächsten Post beantworten werde.

Beste Grüße,
Wulffy

Wulffy said...

Trackback

"...Zum Beispiel Wulffy, dessen SEO-Hilfeblog an dieser Stelle zur vertiefenden Lektüre empfohlen wird."...