Welche Eindrücke in den ersten 20 Stunden mit Windows Vista entstehen. Lohnt sich der Kauf für einen Privatanwender? Ist ein Umstieg von Windows XP auf Windows Vista empfehlenswert? - Ein kurzer Bericht, mit einer Portion Humor geschrieben.

Nach 20 Stunden ersten Einblicks in ein vorinstalliertes Windows Vista liegt es mir fern, einen ausführlicheren Test von Windows Vista durchzuführen. Ich möchte auch nicht aus Sicht eines Netzwerkadministrators berichten, sondern aus Sicht eines normalsterblichen Users.

Windows XP ist zwischenzeitlich weitestgehend ausgereift und bietet eine wirklich stabile Oberfläche für den Betrieb eines PCs. Den Nachfolger Windows Vista betrachte ich derzeit als Spielobjekt für Netzwerkadministratoren. User sollten jedoch die Finger von Windows Vista lassen, da es keinen höheren Nutzen für den Privatanwender bietet, insofern er sich nicht umfassend mit Betriebssystemen wie Windows XP und Linux, Firewalls und Netzwerk auskennt.

Windows Vista erschien mir, würde ich ein Gamer sein, als eine Art Grafik-Mod, installiert auf der "Windows XP-Engine". Hinter nahezu allen optischen Kulissen erscheint dem Anwender dann doch wieder die Windows XP-Optik, die für den Anwender kaum Verbesserungen bringt.

Direkt zu Beginn bietet eine amüsante Benachrichtigung Ablenkung und Verblüffung. "Ein Stecker wurde eingesteckt." erschien als Meldung. Dieses verleitete dazu, den Stecker wieder zu entfernen: "Ein Stecker wurde herausgezogen." - Nun ja, sehr kommunikatives Betriebssystem. - Leider kam Windows Vista aber irgendwann nicht mehr mit, nachdem ich die Geschwindigkeit des Stecker-Einsteckens und Stecker-Entfernens erhöhte. Kurz danach kam die Ernsthaftigkeit wieder ins Leben zurück...

Ich suchte den Arbeitsplatz und fand den Computer. Der stand vor mir, aber der Arbeitsplatz heißt nun auch Computer. Woran das liegt, wurde mir erst später klar. Microsoft hat sich mit Linux auseinandergesetzt und eine von Linux bekannte Funktionalität in Windows Vista integriert: Windows Vista ist im Hintergrund englisch und standardisiert. Und damit der User nicht alles mitbekommt, setzt man nun Links (nicht Verknüpfungen!) auf die Ordner. Bei uns halt deutsche Links. Bei häufig verwendeten Verzeichnissen, wie Program Files (bei uns: Programme), erfolgt nun die Installation immer im richtigen Verzeichnis, egal ob es zusätzlich auch einen deutschen oder anderssprachigen Namen hat. Jedes Verzeichnis kann somit mehrere Bezeichnungen haben bzw. erhalten.

Windows Vista startet nicht schneller als Windows XP. Der Eindruck wird zunächst vielleicht vermittelt, es liegt aber einfach daran, dass jedes frisch installierte Betriebssystem mit kleiner Registry schneller startet. Nach Installation der gewohnten Umgebung mit zahlreichen Tools und Programmen, hat man wieder die von Windows XP gewohnte Wartezeit beim Booten des Betriebssystems erreicht.

Unbedingt sollte man den Windows Media Player als Erstes starten und konfigurieren, da er sich das Recht herausnimmt, alles an Video und Ton wiedergeben zu wollen und für sich zu blockieren, was je an Formaten herausgekommen ist. Darauf kann man dann getrost den Apple QuickTime Player, VLC media player und Winamp installieren.

Bei jeder Installation blockiert Windows Vista direkt am Anfang. Jede Ausführung muss zugelassen werden, was sich als extrem nervig herausstellt, wenn man dutzende Programme installiert. Natürlich kann man diese Funktion abschalten, verliert dieses Sicherheitsmerkmal aber damit.

Der Windows Vista Firewall blockiert jedes Programm, selbst wenn das Programm überhaupt nicht nach draußen kommunizieren will/kann... Es erscheint jeweils eine Abfrage, ob das Programm blockiert werden soll oder ob es sich über das Internet verbinden darf.

Startet man das ein oder andere Programm oder Spiel, erscheint oft die nervige Meldung: "Das Farbschema wurde geändert." - Schön, wissen wir, weil ja nunmal die Einstellungen des Programms ausgeführt werden. Wir wollen es aber nicht auch noch jedesmal angezeigt bekommen.

Sendet man Fotos oder Dateien an den DVD-Brenner, brennt dieser nach kurzer Bestätigung sofort los. Ohne Abfrage, welche Geschwindigkeit verwendet werden soll. Bei max. Brenngeschwindigkeit können Schreibfehler auftreten, aber das scheint Windows Vista nicht zu interessieren. Und wenn man nur eine DVD einlegt, die 8-fach Brennen erlaubt und Windows Vista die max. Brenngeschwindigkeit des Brenners, in diesem Fall 16-fach, verwendet, frage ich mich, wie groß der Stapel der defekten DVDs werden wird.

Sicherlich ist die Konfiguration der Brenngeschwindigkeit möglich, dennoch ist eine einmalige Abfrage einer generellen Einstellung - oder auf Wunsch vor jedem Brennvorgang - notwendig. Und diese fehlt.

Interessant wird es erst, wenn man ein anderes Brennprogramm installiert hat und brennen möchte. Es erscheint eine Megaliste: Möchten Sie mit diesem, jenen oder welchem Programm brennen? Der User denkt nur, dass er eigentlich gar keine Lust mehr hat, überhaupt etwas zu brennen.

Kommen wir zum letzten Punkt dieser ersten kurzen Erfahrung. Eine der wohl größten Katastrophen von Windows Vista: das Startmenü. Das Startmenü befindet sich zwar an gewohnter Stelle, besteht aber nur noch aus einem Rechteck, welches sich von der Größe her offenbar nicht verändert und auch nicht verändern lässt. Alle Programmnamen, die länger als die verfügbare Breite sind, können nicht vollständig gelesen werden. Scrollbalken wären hier eine Notlösung gewesen, nur wer möchte ein Startmenü mit Scrollbalken?

Im oberen Bereich des Windows Vista-Startmenüs bleiben die Microsoft-eigenen Programme stehen. Alles andere erscheint darunter. Die gewohnte Sortierfunktion Nach Namen sortieren konnte ich nicht auffinden. Offenbar wurde diese Sortierfunktion vergessen in das Context-Menü der rechten Maustaste im Startmenü einzublenden. Diese kann mit rechter Maustaste auf START und Eigenschaften wieder integriert werden.

Wie gesagt, es war ein erster Eindruck. Es mag sein, dass alles anders sein kann, aber eben nicht ohne großen Zeitaufwand zu investieren.

Fazit:
Der normale Anwender ist mit Windows Vista völlig überfordert und genervt. Und ein paar bunte Bildchen und Animationen über die für den Normaluser bekannte Windows XP-Funktionalität zu legen, reicht nicht und rechtfertig weder eine Neuanschaffung noch den hohen Preis.

Wenn Sie nicht wieder tage- und wochenlang über verschwundene Features rätseln und sich wundern wollen, wenn Sie nicht Tage Ihres Lebens in Diskussionsforen über Windows Vista verbringen wollen, dann gebe ich Ihnen eine Empfehlung: bleiben Sie bei Windows XP.

Windows Vista wird vielleicht, nach ein bis zwei ServicePacks, in 2008 oder 2009 verwendbar - aber veraltet - sein. Man wird eher im Jahre 2010 auf den dann erscheinenden Nachfolger von Windows Vista: Windows 7 (Arbeitstitel) umsteigen, und Windows Vista als einen Flopp, wie schon damals die Windows Millennium Edition (Windows ME), begraben.

Jetzt arbeiten wir lieber weiter mit Windows XP und freuen uns über ein stabiles und bedienbares Betriebssystem.




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